Einträge tagged ‘Kerala

31
Jan
08

Ein Trierer in Kerala

Der Bundesstaat Kerala in Indien besitzt die einzige demokratisch gewählte, kommunitische Regierung weltweit. Daher findet man hier manche Dörfer vor, wie es im heutigen Russland zu den besten Zeiten der Sowjetunion der Fall war: Rote Fahnen mit Hammer und Sichel schmücken jedes Haus, auf jede Mauer sind die Insignien „CPI“ (Communist Party of India) gepinselt, auf dem Dorfplatz steht das obligatorische Arbeiterdenkmal und überall kleben Plakate, von denen einem die fVäter des Kommunismus ernst entgegenblicken: Lenin, Che Guevara, Engels. Und natürlich auch ein Gesicht, was in einem Trierer wie mir geradezu heimatliche Gefühle weckt: Karl Marx.

Vorischt, jetzt wirds angeberisch: Denn nicht nur kommt Karl Marx, ebenso wie ich aus der Stadt Trier. Wir gingen auch beide auf die selbe Schule, nämlich das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.

Beweisfotos lade ich in den nächsten Tagen hoch.

31
Jan
08

Fort Cochin

Der Flug zurück nach Bangalore ging um halb 10 abends, so hatten wir noch den ganzen Tag Zeit, die Gassen und Höfe von Fort Cochin zu erkunden. Fort Cochin ist eigentlich keine eigene Stadt, sondern ein Stadtteil von Ernakulam (1,4 Mio) der auf einer vorgelagerten Halbinsel etwas abgetrennt vom Treiben der Großstadt liegt.

Sobald wir dort angekommen waren, merkten wir, dass hier alles ein wenig anders, andern ist als in den anderen indischen Städten, die wir bisher auf der Reise besucht haben. Die Straßen sind enger, aber sauberer. Es ist weniger Verkehr, man hört kaum ein Auto oder eine Rikscha hupen, wie es sonst immer der Fall ist. Eigentlich erinnert Fort Cochin mehr an eine kleine Hafenstadt am Mittelmeer. Entlang des „Strands“ fangen Fischer in den jahrhundertealten chinesischen Fischernetzen alle Art von Fischen, die dann ein paar Meter weiter direkt verkauft werden. Auf die Aufforderung eines Fischers haben wir es uns nicht nehmen lassen selber mal die beeindruckenden Fangkonstruktionen zu bedienen. Fische haben wir aber leider keine gefangen.

In Kochin steht die älteste von Europäern errichtete Kirche Indiens, die St Francis Church. Dort lag Vasco da Gama, der in Fort Cochin starb, 14 Jahre lang begraben, bevor sein Leichnam nach Portugal überführt wurde. Besonders beeindruckend war die Kirche nicht, aber es tat gut, ein paar Minuten auf den Kirchenbänken zu sitzen um der Hitze zu entfliehen. Die Basilica Santa Cruz war da schon deutlich imposanter, auch wenn die Heiligen-Statuen hier (wie eigentlich überall in Indien) total überzogen und kitschig gestaltet sind.

Gegen 18 Uhr nahmen wir eine Rikscha zurück zu unserem Homestay um das Gepäck abzuholen und ein Taxi zum Flughafen zu nehmen. Die Verabschiedung von unserer Gastmutter Beena fiel sehr herzlich aus und wir versprachen, sie weiter zu empfehlen.

Diesmal gab es am Bangalore Airport glücklicherweise keine Probleme mit dem Gepäck und eine Rikscha-Fahrt später waren wir wieder daheim.

29
Jan
08

Wieder am Meer

Sind heute mit dem Bus von Munnar nach Fort Cochin gefahren. Da die Fahrt etwa 5 Stunden lang sein sollte, meinten wir es ware eine gute Idee, die Sitze in der ersten Reihe zu nehmen, damit uns von den vielen Kurven nicht schlecht wird. Spitzen Idee! Direkt hinter dem Fahrer zu sitzen, und mitzukriegen, wie er auf den engen Strassen einen LKW nach dem andren ueberholt (direkt vor Kurven, na und?!) war echt der reinste Horror. Weiss jetzt aber, dass man Strassen auch so nutzen kann, dass da zwei Reisebusse und ein LKW nebeneinander draufpassen.

In Fort Cochin angekommen, mussten wir noch eine Fahre nehmen, um in den eigentlichen, alten Stadtkern zu kommen. Hier ist fuer indische Verhaeltnisse sehr sauber und auch sehr wenig Verkehr. So wenig, dass sich hier sogar Weisse mit nem Roller auf die Strasse trauen.

Sind in einem suessen Homestay untergekommen und gucken jetzt gleich mal, wo wir noch was zu Essen bekommen. Morgen gehts wieder nach Bangalore, also koennte ich mich eigentlich mal an das hochgelobte Kerala-ische Fischcurry wagen. Naja, ich weiss nicht.

UPDATE: An das Fischcurry hab ich mich nicht gewagt, aber wir haben ein wunderschönes Restaurant gefunden, wo ich dann Scampis nach Kerala-Art (gekocht in Kokosmilch, mit indischen Gewürzen)  gegessen habe. Abgesehen davon, dass ich die Scampis erst noch aus der Schale befreien musste und sie danach nur noch lauwarm waren, hat’s echt saulecker geschmeckt. Und entgegen Mareikes Erwartungen hat es mein Magen auch sehr gut vertragen.

28
Jan
08

Der Berg rief…

…und wir kamen. Und zwar nach Munnar, einer der Hill Stations (1500 m) in den westlichen Ghats. Der eigentliche Plan war, von Kumily mit dem Bus fuer 70Rs nach Munnar zu fahren, aber es kam ein wenig anders / besser. Als wir morgens am Busbahnhof ankamen, sprach uns ein Inder an, ob wir nach Munnar wollten. Darauf bot er uns an, uns fuer 100Rs mit dem Auto dorthin zu fahren. Da „Auto“ in Indien so ziemlich alles vom Bobby Car bis zum 30-Tonner sein kann, wollten wir uns die Sache erstmal naeher ansehen. Und es war tatsaechlich ein richtiges Auto, naemlich ein relativ neuer indischer Jeep. Der Mann hatte am Morgen seinen Chef von Munnar nach Kumily kutschiert und wollte sich jetzt auf der Rueckfahrt was dazuverdienen.

Mit uns im Wagen sassen dann noch Julia und Nico ein Paerchen aus Deutschland bzw. Frankreich. Der Weg nach Munnar fuehrte zunaechst ueber Schotterpisten und schlaglochuebersaete Strassen. Nach einiger Zeit wurden dann die Strassenverhaeltnisse deutlich besser und kurz darauf auch die Aussicht. Vor uns erstreckte sich ein Tal nach dem andren, welches mit sattgruenen Teeplantagen uebersaet war. Die Huegel wirkten, wie als hatte man sie mit einer gruenen Steppdecke zugedeckt. Man kann den Anblick wirklich nur schwer beschreiben, sobald ich wieder in Bangalore bin, werde ich die Bilder hocladen. Davon hab ich naemlich mehr als genug gemacht. In Trier laechelt man immer unverstaendig ueber die Japaner und Chinesen die Foto ueber Foto von den Weinbergen machen. Ich war in den letzten Tagen wahrscheinlich schlimmer.

In Munnar nahmen wir uns ein kleines, aber sauberes (das ist die Hauptsache) Zimmer im Green View Holiday Inn (ich weiss, schon wieder „Green View“). Ach ja, Tee haben wir natuerlich auch gekauft, wo wir schon mal da waren. Das Kilo fuer umgerechnet 2 Euro.

26
Jan
08

Auf den Spuren der Elefanten

Heute waren Mareike und ich im Periyar Wildlife Sanctuary. Gebucht hatten wir einen Full Day Hike, der von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags ging. Mit unseren zwei Guides / Rangers sowie Paul und Magret aus Polen ging es gut besohlt und mit der Kamera griffbereit im Rucksack hinein in den indischen Urwald.

Schon nach wenigen Minuten waren wir ganz unter dem Blaetterdach der Baumriesen verschwunden. Unsere Fuehrer zeigten uns Pflanzen wie Zitronengras, Zimtbaum, Mangobaum, Kaffee- und Pfefferstauden. Nach dem kleinen Fruehstueck mit Keksen, Bananen und Tee, der ueber einem rasch entzuendeten, offenen Feuer zubereitet wurde, hiess es dann „Quiet now!“.  Schon auf dem bisherigen Weg hatten wir oft frische „Hinterlassenschaften“ einer kleinen Elefantengruppe gesehen, der wir jetzt immer naeher kamen. Nach einigen Minuten durch den dichten Wald wurden unsere Fuehrer dann sichtlich nervoes und wir wurden mit Handzeichen zum Warten aufgefordert. Ploetzlich merkten wir, wie sich etwa 30 Meter von uns entfernt etwas Grosses durch das dichte Gestruepp bewegte. Kurz darauf konnten wir sie dann sehen: 2 grosse indische Dickhaeuter mit einem Jungtier. Mit angehaltenem Atem liessen wir die Fotoapparate klicken. Leider liess sich durch das dichte Blattwerk kein besonders tolles Foto machen, aber ab und zu war ein Ohr oder ein Ruessel deutlich zu erkennen.

Gegen halb 6 kamen wir totmuede aber sehr zufrieden wieder in unserem Homestay an.

25
Jan
08

Kerala und Alkohol

Es sollte einen schon stutzig machen, dass in Kerala, wo der Ausschank von Alkohol per Gesetz verboten ist, an jeder Ecke Werbung fuer „Kingfisher“ (das ind. Bitburger) haengt. Im Restaurant ist oft auch die erste Frage des Kellners: „Beer?“, denn auf der Karte findet man das nicht. Serviert wird das kuehle Blonde dann unauffaellig in einer Teetasse; die noch halbvolle 650ml-Flasche wird unterm Tisch versteckt.

Jetzt wuerd’s natuerlich super passen, wenn ich schreibe: Verstecken braucht sich das indische Bier aber nicht! Waere aber gelogen. Schmeckt naemlich wie alkoholfreies, 50:50 mit Wasser verduennt und zwei Stunden stehengelassen. Aber kalt laesst sichs ertragen. Das Bierbrauen haben ihnen wohl die Briten damals beigebracht. Dafuer haette ich die auch rausgeschmissen.

Auch haertere Sachen wissen die Inder an den Mann zu bringen. Auf einer improvisierten Cocktailkarte finden sich Kreationen mit raetselhaften Zutaten wie V-Juice (Vodka), W-Juice (Whiskey), R-Juice (Rum) und WR-Juice (White Rum).

25
Jan
08

Mit dem Hausboot durch die Backwaters

Im Lonely Planet stehen die Backwater-Hausboot-Touren beschrieben als „das wahrscheinlich teuerste aber auch schoenste Erlebnis ihres Aufenthaltes in Kerala“. Mit unsrem schmalen Studentenbudget entschieden wir uns fuer die Variante See & Sleep, von 2 Uhr mittags bis 8 Uhr morgens bei voller Bewirtung und Uebernachtung auf dem Hausboot.

So stachen wir also mitsamt Koch und Kapitaen in See. Zunaechst ging es entlang des Ashtamudi-Lakes Richtung Norden gen Allepey. Auf dem Weg konnte man bereits die fuer Kerala typischen chinesichen Fischernetze am Ufer sehen. Sobald es dann in die eigentlichen Kanaele der Backwaters ging, kam man auch dem Ufer deutlich naeher. Es ging vorbei an Schulen, kleinen Doefern, Kirchen, Tempeln, und Kuehen, immer wieder Kuehen. Das ganze stets ueberdacht von Kokospalmen.

Als es daemmrig wurde, wurde auf einem kleinen See der Anker geworfen und der Koch machte sich an das Abendessen. Heute gabs mal wieder Original Indisch. Roti, eine Art Pfannkuchen, aber etwas fester, von dem man handtellergrosse Stuecke abreisst und damit die groesstenteils fluessigen Curries aufnimmt und in dem Mund fuehrt. Alles natuerlich mit der Hnd, und zwar der rechten, der „sauberen“.

Anschliessen sassen wir noch lange an Deck und lauschten den Gerauschen, die vom Ufer herueberkamen, bevor wir uns im Bett mit den zahlreich vorhandenen Moskitos herumschlugen. Wir hatten selbst einige Verluste zu beklagen, aber dank unsrer Geheimwaffe Zedan fiel der Gesamtsieg uns zu.

Am naechsten Morgen gings zeitig von Bord und Richtung Bahnhof von wo wir den Zug Richtung Kottayam und von dort den Bus nach Kumily nahmen.

23
Jan
08

Kollam

Mareike und ich haben heute unsere beschauliche Bambushuette in Varkala verlassen und uns auf den Weg nach Kollam gemacht. Diesmal hatten wir uns fuer die Indische Eisenbahn als Verkehrsmittel entschieden, was mit 19 Rs (35 Cent) pP die mit Abstand billigste Moeglickeit war (ausser Laufen vll). Von den fuenf verfuegbaren Klassen entschieden wir uns mutig fuer die guenstigste, da die Fahrt auch nur eine halbe Stunde lang war. Da statt Fenster nur Gitter in den Abteilen waren und pro Waggon dreissig Ventilatoren an der Decke hingen (ja, ich hab nachgezaehlt) war die Luft auch erstaunlich frisch. An der offenen Zugtuer ging es dann durch Palmenwaelder und vorbei an den ersten Auslaeufern der Backwaters bis zum Bahnhof von Kollam. Nach einer Rikscha- und einer Bootsfahrt waren wir dann in unserem neuen Domizil angekommen: www.kollamlakeviewresort.com

Da die Sonne unterdessen untergegangen war, wurde das Abendessen dann zum Candlelightdinner auf dem Balkon mit traumhaftem Blick ueber die Backwaters von Kollam. Morgen gehts dann aller Voraussicht nach aufs Hausboot.

P.S. Die Cola-Bananen-Diaet hat geholfen. Meinem Magen gehts bedeutend besser.

22
Jan
08

Varkala Beach

Am Sonntag hat unsere Kerala-Rundreise begonnen. Zuerst mit dem Flieger nach Trivandrum nahe der Suedspitze Indiens. Nachdem wir den dortigen Zoo und ein paar Museen besucht haben wollten wir weiter nach Varkala, unserem eigentlichen Tagesziel. Eigentlich hatten wir geplant, fuer umgerechnet 50 Cent den Bus fuer die anderthalbstuendige Strecke zu nehmen. Haben uns dann aber doch fuer die Rikscha entschieden. Nach nervtoetenden Diskussionen haben wir dann auch einen Rikschafahrer gefunden, der uns fuer den zehnfachen Preis der Busfahrt bis nach Varkala Beach brachte.

Dort angekommen haben wir uns dann bei Kerala Bamboo House eine Huette fuer die naechsten Tage gemietet und anschliessend ab an den Strand! Nachts hat es mich dann erwischt. Hatte die letzten Tage schon ein ungutes Gefuehl in der Magengegend, welches sich jetzt in Form von Erbrechen und Durchfall entlud. Im Bett war ich in der Nacht jedefalls nicht sehr viel. Seitdem versuch ich mich mit Bananen (die hier spottbillig sind) und Cola ueber Wasser zu halten.

Der Strand und das Wetter sind jedoch absolut traumhaft. Abends schauen wir von den palmengesaeumten Klippen zu, wie die rot-orangene Sonne im Meer versinkt.

Morgen gehts weiter nach Kollam.